Lecapitaine: französische Spezialitäten für Deutschland

Artikel im KFZ-Anzeiger vom 12. Juni 2015

In Deutschland ist die Marke noch relativ wenig bekannt, doch das soll sich bald ändern: Der französische Hersteller Lecapitaine will seine vielseitigen Kühlfahrzeuge verstärkt auf dem deutschen Markt positionieren.

Frankreich gilt zu Recht als Paradies der Feinschmecker: Ob Bouillabaisse, Coq au Vin oder Mousse au Chocolat – die französische Küche genießt weltweit einen exzellenten Ruf. Das liegt vor allem daran, dass gutes Essen traditionell ein wesentlicher Bestandteil der französischen Lebensart ist, für den die Einheimische auch gerne etwas mehr Geld auszugeben bereit sind. Bei unseren Nachbarn im Westen kommen wertige Produkte und am liebsten frische Spezialitäten aus der Region auf den Tisch. Entsprechend hoch entwickelt sind die vielen regionalen Märkte und die Lebensmittelabteilungen in den Supermärkten. Damit fangfrischer Fisch, Meeresfrüchte, Rinderfilets und Camembert ohne Qualitätsverluste in die Küche und auf den Tisch gelangen, wird großer Wert auf die penible Einhaltung der Kühlkette gelegt. Deshalb sieht man in Frankreich jeden Tag unzählige Kühlfahrzeuge im Einsatz, und zwar in allen Größenklassen vom Auflieger über den weit verbreiteten LKWAufbau bis hinunter zu Kühlfahrzeugen auf Transporterund Lieferwagenbasis in allen erdenklichen Ausbauvarianten. Auch lokale Lebensmittelhändler und Restaurants erledigen ihre wertvollen Transporte mit individuell ausgebauten und aufwändig beschrifteten Spezialfahrzeugen. Mit diesem riesigen Heimatmarkt im Rücken haben sich in Frankreich eine Reihe von Kühlfahrzeugbauern etablieren können, von denen in Deutschland vor allem die Marken Lamberet, Chéreau und Klégé bekannt sind. Jetzt will sich auch ein weiterer großer französischer Kühlfahrzeughersteller, der sich bisher eher zurückgehalten hat, verstärkt auf dem deutschen Markt engagieren – mit einem umfassenden Programm. Léonard Forestier, seit 2014 Vorstand von Lecapitaine, will die Marke sukzessive auf dem deutschen Markt weiter ausbauen.

Ursprünge in der Normandie

Wie viele Fahrzeugbauer ist auch Lecapitaine in der Provinz angesiedelt, dort, wo landwirtschaftliche Spezialitäten erzeugt werden, die in der Region distribuiert werden müssen und die natürlich auch die großen Märkte in Paris und anderen Metropolen erobern wollen. Rund 300 km westlich von Paris liegt St.Lô in der Normandie, der Heimat von Cidre, Calvados und Camembert. Hier startete der Gründer und Namensgeber Victor Lecapitaine 1936 zunächst mit dem Bau von Kutschen. Wegen der lokalen Nachfrage der Milchbauern und Milchverarbeiter wurden 1952 die ersten isolierten Boxen gefertigt, die sich bald darauf in Verbindung mit Kühlaggregaten zu Kühlfahrzeugen entwickelten. Die Gründerfamilie veräußerte ihre Anteile im Jahr 2000 an die Petit ForestierGruppe, die mit einem Fuhrpark von fast 40.000 Fahrzeugen heute Europas Marktführer in der Vermietung von Kühlfahrzeugen ist. Die Familie Forestier investierte in eine neue Fabrik auf einem 14 Hektar großen Gelände am Rande von St.Lô und baute dort eine industrielle Produktion auf. Lecapitaine kann hier bis zu 4.500 Kühlfahrzeugen jährlich fertigen. 2014 wurden 4.026 Einheiten hergestellt, der Umsatz belief sich auf 65,5 Millionen Euro.

Derzeit läuft die 18.000 m² große Fabrik mit ihren 430 festangestellten und 200 temporären Mitarbeitern auf Hochtouren: Bis zu 28 Fahrzeuge rollen täglich von den drei Produktionslinien.

Standard ist selten

Ein Besuch in der Konstruktionsabteilung von Lecapitaine macht sofort deutlich, dass es hier selten einen Standard gibt. Fast alle Fahrzeuge werden individuell nach Bedarf ausgestattet: mit Schiebetüren, mobilen Trennwänden, Aufstiegshilfen, Regalen und Kühlaggregaten. Das Team von Ingenieuren und Designern arbeitet mit Unterstützung von hochmoderner Software kontinuierlich an der Weiterentwicklung der Fahrzeugkonzepte. Léonard Forestier sagt zum Innovationszyklus: „Dauernd werden kleine Veränderungen vorgenommen, um die wechselnden Anforderungen der Kunden zu erfüllen. Es gibt daher in dem Sinne kaum revolutionären Neuerungen.“

In dem eigenen Analyseund Prüflabor werden neue Entwicklungen durch stressige Langzeittests auf Materialqualität und Alterungsverhalten geprüft. Eine Türverschluss muss zum Beispiel 40.000 Schließungen aushalten, bevor er in die Produktion aufgenommen wird. Jeder Aufbau, der das Werk verlässt, wurde von dem eigenen Planungsbüro entworfen und an die Wünsche des Kunden angepasst. Jüngste Kreation ist der neue Dreisitzer auf Basis des Fiat Doblò. Der dritte Sitz war ein Wunsch der Kunden aus dem Gaststättenund Cateringgewerbe. Es gibt zwei Ausführungen mit 4 und 5 m³ Ladevolumen sowie drei verschiedene Motoren (90 PS, 105 PS und Erdgas).

Dasselbe Muster wie in der Konstruktion spiegelt sich auch in der Produktion wider: Auf den Montagelinien sind selten zwei gleich Fahrzeuge zu sehen. Doch vorher kommt die Paneelefertigung, wo die Sandwiches aus Laminat und Polyester mit Unterstützung von Vakuumpumpen verklebt werden. Die fertigen Paneele werden mit CNCUnterstützung zugeschnitten und mit Befestigungsschienen, Regalen und Beleuchtung ausgerüstet. Dann folgt die Vormontage der Türen und der Hängeeinrichtungen.

Auf drei Montagelinien werden die Boxen zusammengebaut, zwei davon sind taktgesteuert, die dritte steht für Sonderfahrzeuge zur Verfügung. In einer weiteren Halle erfolgt derweil die Vorbereitung der Fahrgestelle mit Hilfsrahmen, Ladebordwand, Aufstiegstreppe sowie der Fahrzeugelektrik. Schließlich werden Fahrgestell und Aufbau zusammengefügt und verbunden. Zwei weitere Stationen befassen sich mit Lackierung und Folienbeklebung, auch eine Komplettfolierung ist möglich. Die hauseigene Designabteilung kümmert sich um die vielfältigen Wünsche der Kunden, wenn es um die optische Gestaltung des Fahrzeugs geht.

An der nächsten Station wird der Seitenanfahrschutz montiert, die elektrischen Anschlüsse werden verbunden und die Ladebordwand wird angeschlossen, bevor es in einer weitere Halle zur Installation der Kühlaggregate geht. Um sicherzustellen, dass bei der Vielfalt der oft sehr unterschiedlichen Arbeitsschritte am Ende die Qualität stimmt, werden alle Fahrzeuge einer umfassenden Abschlussprüfung unterzogen.

Von 2 bis 95 m³

Im Durchschnitt laufen 26 Fahrzeuge pro Tag durch die Produktion. Lecapitaine hat sein Programm mit Volumina von 2 bis 95 m³ in vier verschiedene Baureihen unterteilt:

  • KühlkofferAufbauten auf LieferwagenFahrgestellen, zum Beispiel auf Basis von Fiat Doblò und Scudo, Citroën Berlingo oder Peugeot Expert;
  • kleine Kühltransporter bis 7,5 t mit Hilfsrahmen auf TransporterBasis, meist werden Iveco Daily eingesetzt;
  • große Kühlfahrzeuge bis 18 t, auf Basis von LKW der Marken Iveco, MercedesBenz,
  • Renault oder DAF;
  • Spezialaufbauten und Spezialausstattungen.

Grundsätzlich ist Lecapitaine für Basisfahrzeuge aller Hersteller offen. Auch die Liste der Ausstattungsvarianten ist umfassend. Für jede Transportanforderung gibt es spezielle Wünsche, die sich erfüllen lassen: von der Rückfahrkamera oder Rückfahrsensoren über verstärkte Stoßdämpfer, verschiebare Aufstiegstreppe und drittes Bremslicht bis zu verschiebbaren und hochklappbaren Trennwänden mit Dekompressionsklappe und GummiArretierung am Boden. Heckportale und Türgriffe sind aus Edelstahl. Zu den weiteren Details gehören 110°Türfeststeller, Hecktraversen mit gefederten Rollen, eingelassene Zurrschienen, AluReiskornböden und klappbare Regale sowie die neue Generation Schiebetüren. Klar, dass auch Mehrkammerfahrzeuge und Doppelstockausrüstungen gebaut werden.

So findet sich eine große Vielfalt auf dem gut gefüllten Auslieferungshof in St.Lô: ein LKWKühlfahrzeug des Lebensmittelhändler Simexal aus der Provence, großflächig mit CocaColaDosen auf rotem Grund beklebt, ein MehrkammerAufbau für Großbritannien mit landestypischer SäulenLadebordwänd oder ein aufwändig in kaffeebraun mit goldenen Lettern gestylter CateringLieferwagen eines regionalen GourmetRestaurants. Und natürlich: zahlreiche Fahrzeuge für den Mutterkonzern Petit Forestier.

Deutschland im Fokus

Bereits seit 20 Jahren ist Lecapitaine in Deutschland aktiv, insgesamt wurden hier rund 3.000 Fahrzeuge abgesetzt. In Deutschland arbeitet Lecapitaine derzeit mit neun Fahrzeugbauern zusammen, in Österreich gibt es einen, in der Schweiz zwei Partner. Dieses Netz soll künftig weiter wachsen. Dabei werden aus St.Lô nicht nur Komplettfahrzeuge angeliefert, sondern auch die Versorgung mit Bausätzen ist möglich.

Auf dem deutschen Markt waren bislang vorwiegend LKWAufbauten gefragt, kleinere Kühlfahrzeuge sind hier eher eine Randerscheinung. Doch der Markt ist in Bewegung, denn auch in Deutschland haben sich die Lebensgewohnheiten verändert, und der bei den Franzosen schon lange vorhandene Genussfaktor spielt auch in unseren Breiten eine immer größere Rolle. Das kann man an der stark zunehmenden Dichte von Sternerestaurants in Deutschland ablesen.

Auch außerhalb der Gourmetempel ändern sich die Ernährungsgewohnheiten: Streetfood, vegetarische und vegane Küche, Coffee to go und Smoothies haben nicht nur in den hippen Metropolen Einzug gehalten. Das Konsumieren von Edelburgern und VeggieSandwiches auf der Straße gehört heute zum angesagten Lifestyle – wobei „Streetfood“ durchaus auch mal höherpreisig sein darf. So gibt es bereits Street Food Festivals in deutschen Großstädten, auf denen die neusten Kreationen gefeiert werden.

Innovative Cateringund Eventfirmen, die den Trend prägen, bringen die frische, moderne Küche auf Märkte und zu Veranstaltungen – und brauchen für die bislang kühltechnisch eher stiefmütterlich behandelte letzte Meile die vielseitigen kleinen Fahrzeuge, auf die sich die Franzosen schon lange spezialisiert haben.

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